Feedback im Gastgewerbe: klar in der Sache, respektvoll im Ton
Zurück zum Blog
Leadership22. Oktober 20264 Min.

Feedback im Gastgewerbe: klar in der Sache, respektvoll im Ton

Wie Führungskräfte konkrete Beobachtungen ansprechen und daraus eine umsetzbare Vereinbarung machen – auch nach einer hektischen Schicht.

Wenn der Service unter Druck steht, wird aus einer sachlichen Korrektur schnell ein scharfer Zuruf. Der Fehler ist damit vielleicht für den Moment gestoppt. Ob die betroffene Person daraus etwas lernen kann, ist eine andere Frage. Wirksames Feedback braucht Klarheit, einen passenden Rahmen und ein gemeinsames Verständnis des nächsten Schritts.

Unterscheiden Sie zwischen einer notwendigen Anweisung im laufenden Betrieb und dem eigentlichen Feedbackgespräch. Akute Probleme werden unmittelbar gelöst. Für die Ursachen und die Weiterentwicklung nehmen Sie sich anschließend einen ruhigen Moment, möglichst ohne Publikum.

Mit einer Beobachtung beginnen

Beschreiben Sie zuerst, was Sie konkret gesehen oder gehört haben. ‚Am Tisch zwölf fehlte nach der Bestellung die Rückmeldung zur Wartezeit‘ ist überprüfbar. ‚Du kümmerst dich nie um die Gäste‘ bewertet dagegen die ganze Person und lädt zum Widerspruch ein.

Erklären Sie anschließend die Wirkung: Der Gast konnte die Verzögerung nicht einschätzen und musste selbst nachfragen. Bleiben Sie bei dem, was Sie wissen. Aussagen über Absichten wie ‚Das war dir egal‘ sind keine Beobachtungen. Fragen Sie stattdessen, wie die Situation aus Sicht des Mitarbeiters entstanden ist.

Die Perspektive des Mitarbeiters hören

Vielleicht fehlte eine Information aus der Küche. Vielleicht war unklar, wer für den Tisch zuständig war. Vielleicht braucht die Person noch Übung. Zuhören bedeutet nicht, Standards aufzugeben. Es hilft, die passende Ursache zu bearbeiten, statt jedes Problem mit derselben Ermahnung zu beantworten.

Fassen Sie kurz zusammen, was Sie verstanden haben. Klären Sie dann den gewünschten Ablauf: Wer informiert künftig wen, zu welchem Zeitpunkt und auf welchem Weg? Eine gute Vereinbarung ist so konkret, dass beide Seiten später erkennen können, ob sie eingehalten wurde.

Den nächsten Schritt begleiten

Vereinbaren Sie eine kleine, realistische Veränderung für die nächste Schicht. Stellen Sie die nötige Unterstützung bereit, etwa eine kurze Übung oder eine klare Übergaberegel. Fragen Sie nach einigen Tagen nach, ob der Ablauf funktioniert oder angepasst werden muss.

Genauso konkret sollte Anerkennung sein. Benennen Sie, welches Verhalten hilfreich war und warum. Wer verlässliche Arbeit nur als selbstverständlich hinnimmt und ausschließlich Fehler anspricht, verpasst eine wichtige Führungsaufgabe: dem Team Orientierung darüber zu geben, was beibehalten werden soll.

Andreas Möbius

Über den Autor

Andreas Möbius

Gastronomie-Coach mit über 40 Jahren Praxiserfahrung. Begleitet Teams und Führungskräfte in Gastronomie und Hotellerie.